Alle reden über „Kultur“ – viele haben dazu eine eigene Meinung; jedoch: was ist das eigentlich; wofür steht die Begrifflichkeit „Kultur“?
Da ist es ganz aufschlußreich, sich den Ursprung des Wortes vor Augen zu führen, denn der resultiert aus dem alten Rom der Gründungszeit. Interessanterweise haben wir hier das lateinische Verb „colere (colo)“ übernommen, das bei den praktisch orientierten Römern zuerst einmal „ein Feld bebauen“[1] bedeutete (bzw. in der substantivierten Form „culta“ für „bebaute Felder“ stand). Die Griechen umschrieben mit dem verwandten Begriff „h gewrgia“ ebenfalls den Sachverhalt des Ackerbaus, was sich auch heute noch in der englischen und in den romanischen Sprachen als „agriculture“ (bzw. „agricultura“) auffinden läßt.
„Kultur“ hat also ursprünglich etwas mit „Bauerntum/ Sesshaftigkeit“ zu tun.[2] Der Begriff „culta“, der eigentlich das Know How des Ackerbaus umschreibt, wurde dann bereits in der Antike auf seine „moderneren“ Variationen wie „Kunst“, „Wissenschaft“ und „Religion“ ausgeweitet; und zwar in Form des Hauptworts „cultus“, das „Lebensart (Kultur)“ meint [3].
In der Praxis der Kulturberatung hat sich eine institutionelle Betrachtungsweise des Begriffs herausgebildet; d.h. man beschäftigt sich mit der Thematik hauptsächlich in Bezug auf die ausführenden Organe. Dabei stehen in der Regel folgende Einrichtungen (und deren Aktivitäten) im Mittelpunkt der Betrachtung:
All diesen Institutionen ist gemeinsam, dass sie:
| - Zumeist auf kommunaler Ebene betrieben (und
finanziert) werden [4] - Freiwillige Leistungen der Träger darstellen. |
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Was ist also „Kultur“? -> Versuch einer kurzen Umschreibung:
- Niemand weiß es so ganz genau
- Hat ursprünglich etwas zu tun mit „Sesshaftwerden“ und „(geregelter)
Nahrungsmittelproduktion“ [5]
- Umfasst in der weiten Bedeutung viele (höherwertige) Sphären des
Lebens wie „Sprache“, „Wissenschaft“, „Kunst“
und „Religion“ [6]
- Unterscheidet sich (mal graduell, mal stärker) von Region zu Region
- In der engeren Auslegung wird auf die ausführenden Institutionen geblickt
- Ist ein Zwitter von „Muß“ und „Kann“
- Kostet häufig (viel) Geld (bzw. wirtschaftet mit negativen Deckungsbeiträgen).
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verfolgt nun den Ansatz, den Zielsetzungen der 92er UNCED[7] -Konferenz von
Rio de Janeiro auch im Kulturbereich Geltung zu verschaffen. Deren übertragbare
Kernforderungen lauten:
[1] Das Verb hatte zahlreiche weitere Bedeutungen;
u.a. auch „(emsig) beschäftigt sein“.
[2] Evtl. in Abgrenzung zu den nomadisierenden „Barbaren“völkern
nördlich der Alpen und östlich des Schwarzen Meers; die allerdings
ihrerseits die Landwirtschaft zumeist schon kannten und auch betrieben.
[3] Einige Autoren weisen darauf hin, dass man im „späteren“
Rom ebenfalls den Begriff „cultura“ verwendet habe und zwar im Sinne
von „Pflege (des Körpers und Geistes)“.
[4] Sowohl von öffentlich-rechtlichen als auch von privaten Anbietern.
[5] „(Vom Menschen) Gemachtes“ im Gegensatz zum „Nichtgemachten
(Natur)“
[6] Mithin eine Fortentwicklung von der praktisch-materiellen Bedeutung (Gemachtes)
hin zu einer geistig-ideellen Interpretation des Begriffs.
[7] UNCED = United Nations Conference on Environment and Development Collection
„Kultur(arbeit)“ bedeutet deshalb für uns:
- Ist ein Recht der Bürger an den Staat (also ein „Muß“)
- Das Angebot sollte möglichst breit und tief sein (Freizeit- und Bildungswert
einer Stadt)
- Allerdings dürfen weder hohe noch dauerhafte Defizite in den kommunalen
Haushalten entstehen (Generationengerechtigkeit)
- Die Einrichtungen sollen sich größtenteils selber tragen können
(Nachhaltigkeit).
Verantwortungsbewusste Kulturberatung:
(1) Nimmt Rücksicht auf die Anforderungen der Bürger einer Kommune
(2) Übersetzt die Budgetvorgaben des Stadtrats in handhabbare Lösungsvorschläge
für die einzelnen Kultureinrichtungen
(3) Implementiert betriebswirtschaftliche Ansätze an den Stellen, wo diese
Sinn ergeben
(4) Erkennt Verbesserungspotenzial sowohl auf der Kosten- als auch auf der Marketingseite
(5) Moderiert und begleitet den Transformationsprozeß
(6) Ermöglicht den dauerhaften Betrieb der beratenen Institution.
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schließt die Schere zwischen politischen Zielen („Kultur für
alle“) und den mikroökonomischen Zwängen („zuwenig Geld
für die entsprechenden Haushaltsstellen“), indem:
- Die Kernaufgaben der jeweils zu beratenden Einrichtung herausgearbeitet werden
- Wege aufzuzeigen sind, wie die geplanten Sparmaßnahmen bei Aufrechterhaltung
einer möglichst breiten Angebotspalette in die Praxis umgesetzt werden
können.
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fühlt sich dabei zu jeder Zeit den Leitbildern Lebensumfeld, Generationengerechtigkeit
und Zukunftsfähigkeit verpflichtet.
Unter Kultur(betriebs)beratung verstehen wir: